Fraktion vor Ort zur Zukunft der Altenpflege

Der Sitzungssaal im Alten Rathaus in Würselen war gut gefüllt mit Menschen, denen die Zukunft der Altenpflege ein Herzensthema ist. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Akteure wurden bei der “Fraktion-vor-Ort” Veranstaltung der Bundestagsabgeordneten Claudia Moll und Heike Baehrens deutlich.

“Zukunft Altenpflege – Hand in Hand für bessere Pflege” lautete der Titel der “Fraktion-vor-Ort” Veranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion mit den beiden Bundestagsabgeordneten Claudia Moll und Heike Baehrens. “Ich bin froh, dass Pflege endlich den Stellenwert in der Gesellschaft hat, den sie verdient”, stellte Claudia Moll gleich zu in ihrer Begrüßung mit Blick auf den sehr gut gefüllten Saal fest. Angesprochen auf aktuelle mediale Berichterstattung über den Pflegebereich hatte Moll eine klare Meinung: “Ich finde es schade, dass Pflege oft schlecht geredet wird. Man kann nicht alle Heime und auch nicht alle Pflegerinnen und Pfleger über einen Kamm scheren. Was wir Pflegekräfte im Alltag alles leisten müssen, das soll uns erstmal jemand nachmachen!”

Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens hielt im Anschluss einen kurzen Inputvortrag über die aktuellen pflegepolitischen Projekte der SPD-Bundestagsfraktion, deren Pflegebeauftragte sie ist. Auch wenn sie einen etwas anderen Hintergund habe als Claudia Moll, “ist die Pflege doch meine Hauptmotivation Politik zu machen”, so Baehrens zu ihrer Person. In der kürzlich vorgestellten konzertierten Aktion Pflege, so Baehrens, haben sich gleich drei Bundesministerien zusammengeschlossen, um für eine Verbesserung in der Pflegepolitik zu kämpfen. Dazu gehören das Bundesministerium für Gesundheit, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. “Aber auch andere Organisationen und Verbände sollen ihren Beitrag leisten. Denn “nur in gemeinsamer Verantwortung kann es gelingen, innerhalb des gesteckten Zeitrahmens zu konkreten Verbesserungen in der Pflege zu kommen”, spielte Baehrens auf den Untertitel der Veranstaltung an. Weiter ging Baehrens auf das Sofortprogramm Pflege ein, das im Koalitionsvertrag schon eine wichtige Rolle gespielt hat. “Die 13.000 vereinbarten neuen Stellen sind mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir lösen damit nicht alle Probleme, aber wir schaffen konkrete Verbesserungen. Das Sofortprogramm kommt in jeder Einrichtung an und wird nicht von den zu Pflegenden oder deren Angehörigen bezahlt”, so Baehrens weiter.

In der anschließenden Diskussion machte Bernd Bogert, Geschäftsführer der St. Gereon Seniorendienste gGmbH, deutlich, dass die Pflegesatzverhandlungen immer noch ein großes Problem darstellen. Auf die Arbeitsbedingungen in der Pflege angesprochen, stellte er fest: “Man kann sich das Arbeitsleben unter schlechten Bedingungen schön reden. Das machen leider immer noch viel zu viele”.

Harald Meyer, Gewerkschaftssekretär der ver.di, erläuterte, dass längst nicht alle Arbeitgeber in der Pflege nach Tarif zahlen. “Wir waren als Gewerkschaften schon in Düsseldorf oder in Berlin auf der Straße, um für Verbesserungen in der Pflege zu kämpfen”, erklärte Meyer. “Dennoch zahlen private Unternehmen in der Pflege immer noch etwa 20% weniger”, so Meyer weiter. Heike Baehrens betonte diesen Zustand. “Private Unternehmen machen Profit auf Kosten der Pflegekräfte”, so Baehrens.

Stefan Graf, Pflegedienstleiter des Seniorenzentrums Am Haarbach, machte zum Schluss noch einmal deutlich, dass alle Akteure in der Pflege nur gemeinsam die Probleme lösen können. “Wir dürfen nicht die Augen vor den Missständen verschließen. Aber wir dürfen uns in der Pflege auch nicht immer alles schlecht reden lassen”, so Graf.