Spannende Gespräche bis tief in die Berliner Nacht

Die Eschweiler Bundestagsabgeordnete Claudia Moll (SPD) erlebt hautnah mit, wie in der Hauptstadt Geschichte geschrieben wird

Eschweiler/Berlin. Es sind höchst spannende, geschichtsträchtige Tage, die Claudia Moll derzeit in Berlin erlebt. Spannende – und anstrengende. Am Tag 1 nach dem Ende der Jamaika-Sondierungsgespräche „brannte der Tannenbaum“, sagt die Eschweiler Bundestagsabgeordnete. „Wir haben von halb fünf Nachmittags bis in die Nacht hinein getagt und heftig kontrovers diskutiert.“ Und dies, obwohl die SPD-Spitze schon zuvor die Position von Martin Schulz unterstrichen hatte, für eine Große Koalition nicht zur Verfügung zu stehen. „Natürlich sind es nicht wir, die schuld sind am Scheitern der Jamaika-Gespräche, aber man muss doch die Verantwortung der gewählten Parteien für das Ganze sehen. Für uns eine sehr schwierige Situation. Woran die Gespräche nun tatsächlich gescheitert sind, habe ich bis heute nicht herausfinden können“, sagt Claudia Moll. Ob Kanzlerin Angela Merkel es weiß? „Die hatte heute Morgen richtig gute Laune. Dabei sah sie genauso zerknittert aus wie ich.“

Neuwahl? Bitte nicht!

Mit dem strikten Nein ihrer Parteiführung zu einer Neuauflage der großen Koalition kann die Inde-städterin sich in der jetzigen Situation nicht hundertprozentig anfreunden. „Ich bin froh, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier da jetzt interveniert. Auf die Ergebnisse seiner Unterredungen mit allen Parteien bin ich sehr gespannt. Natürlich dürfen wir uns Gesprächen nicht verschließen. Es muss ja irgendwie weitergehen.“

Wie es nicht weitergehen sollte, davon hat Claudia Moll klare Vorstellungen: „Ich möchte keine Neuwahlen. Nicht nur, weil ich gerade erst hier in Berlin eine Wohnung gefunden habe und auch mein junger Mitarbeiter sich gerade hier eingerichtet hat. Ob Neuwahlen das Richtige sind, glaube ich einfach nicht. Aber auch eine Minderheitsregierung bringt nichts. Das ist der größte Schwachsinn. Das würde innerhalb von ein paar Monaten doch nur zu Neuwahlen führen.“ Also baut Moll auf die Vernunft und Kompromissbereitschaft aller Beteiligten. Ob sie damit Recht behält? „Alles ist höchst spannend“, konstatiert Claudia Moll bei unserem gestrigen Telefonat in einer Sitzungspause, die sie mit einer Zigarette auf einem Balkon verbringt. Ihren Humor hat sie trotz der Anspannung nicht verloren. „Ich würde ja gerne den Leuten hier vom Balkon aus huldvoll zuwinken, aber da unten ist keiner“, lacht sie. Und freut sich darauf, nach aufreibenden Gesprächen, Diskussionen, Beratungen in ihren gerade gefundenen „eigenen“ vier Wänden im südwestlichen Stadtteil Lichterfelde entspannen zu können. „Da wohne ich gleich neben dem Botanischen Garten“, sagt die Dürwisserin, die zu Hause gern mit ihrem Hund am Blausteinsee spazieren geht. „Aus dem Zentrum sind es dahin 20 Minuten mit der S-Bahn. Dann bin ich raus aus dieser komischen Blase hier.“

Bild und Text: Rudolf Müller, Eschweiler Nachrichten, 22.11.2017